German Design Award 2026

Die Highlights der Award Show

Frankfurt am Main, 6. Februar 2026. Der German Design Award 2026 macht deutlich, wie grundlegend sich das Verständnis von Gestaltung verändert hat. Die ausgezeichneten Projekte stehen nicht für eine neue Erwartungshaltung: Design wird an seiner Wirkung gemessen.

Einreichungen aus 57 Ländern zeigen: Form ist weiterhin relevant, aber sie genügt nicht mehr.

Entscheidend ist, wie Produkte, Räume und Kommunikationssysteme funktionieren. Performance, Verantwortung und Systemlogik haben sich zu zentralen Kriterien entwickelt. Lutz Dietzold, CEO des German Design Council (Auslober), bringt diese Verschiebung präzise auf den Punkt. Design adressiere heute komplexe Systeme. Es wirke entlang ganzer Wertschöpfungs- und Nutzungskreisläufe. Produkte seien Teil von Geschäftsmodellen. Architektur strukturiere langfristige Prozesse. Kommunikation sei strategisches Steuerungsinstrument.

Trendradar als Seismograf des internationalen Designs

Mit dem erstmals vom German Design Award veröffentlichten Trendradar 2026 wird diese Entwicklung erstmals systematisch dokumentiert. Die Jury beschreibt eine klare Bewegung von symbolischer Innovation hin zu überprüfbarer Leistung. Bewertet werden Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Ressourceneffizienz und nachvollziehbare Nutzerführung. Qualität zeigt sich in belastbaren Standards.

Im Produktdesign formuliert Jury-Mitglied Patrick Speck eine zentrale Erkenntnis:

Internationale Projekte werden nicht mehr über ästhetische Codes bewertet, sondern über messbare Benchmarks. Engineering-Qualität, Lifecycle-Denken und funktionale Klarheit bilden eine gemeinsame Sprache über Märkte hinweg. Gold-Auszeichnungen markieren damit Referenzpunkte.

Auch wirtschaftlich ist diese Entwicklung belegt. Die Studie des German Design CouncilDesign in Business zeigt, dass Unternehmen, die Design strategisch integrieren, resilienter agieren und Transformation schneller umsetzen. Mike Richter, Präsident des German Design Council, betont, dass Design dort Wirkung entfaltet, wo unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Gestaltung strukturiert Komplexität und schafft Orientierung. Design ist damit Teil der Unternehmensführung und nicht deren Ausführung.

Circular Design und Service Design als neuer Standard

Circular Design ist keine Zusatzkategorie mehr. Reversible Konstruktionen, modulare Systeme und sortenreine Materialien sind Standard. Nachhaltigkeit ist Voraussetzung. Neu ist Service Design. Bewertet werden Prozesse, Abläufe und Nutzerführung. Nicht der einzelne Touchpoint zählt, sondern das gesamte System.

Im Kommunikationsdesign verschiebt sich der Maßstab ebenfalls. Wiebke Meyer-Lüters, Jurorin aus dem Bereich Kommunikationsdesign, verwies auf die strategische Dimension von Sichtbarkeit. In einer Zeit generativer KI liege die Qualität nicht im einzelnen Bild, sondern im konsistenten System. Gestaltung schafft Orientierung über Zeit. Auch im Bereich Architecture & Spatial Design wurde Dauerhaftigkeit zum Kriterium. Materiallogik, Anpassungsfähigkeit und soziale Wirkung standen vor ikonischer Form. Räume müssen wandelbar sein.

Individuelle Handschriften, gemeinsamer Anspruch

Die Auszeichnung von Naoto Fukasawa als Personality of the Year unterstreicht diese Haltung. Seine Arbeiten stehen für Klarheit, Präzision und Reduktion. Sheila Loewe, Präsidentin der LOEWE Foundation, würdigte seine Konsequenz im Umgang mit Material und Nutzenden. Qualität entsteht durch Integrität, nicht durch Effekt.

Mit Marie Kurstjens als Newcomer of the Year wurde schließlich eine Position ausgezeichnet, die Gestaltung als gesellschaftliche Verantwortung versteht. Ihre Projekte verbinden soziale Fragestellungen mit struktureller Umsetzung.

Der German Design Award 2026 markiert damit keinen Abschluss, sondern eine inhaltliche Zuspitzung. Systemdenken, Circular Design und Service Design greifen ineinander – in Produkten, Prozessen und Räumen. Diese Verzahnung wird im Kontext der World Design Organization und der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 weitergeführt. Gestaltung wird hier als strukturelle Kraft verstanden, die Branchen und Disziplinen verbindet.

 

Mit der Fortführung der Confessions-Formate und dem Start der neuen Ausschreibungsphase ab Mai 2026 wird dieser Anspruch konsequent vertieft.