Design Nudges
Product Design

Elson Lin: Nicht jedem Trend zu folgen ist gutes Design

Was macht ein Produkt zeitlos? Für Elson Lin beginnt die Antwort nicht bei Trends, sondern bei echten Bedürfnissen. Im Gespräch erklärt der Gründer von Termino, warum Einfachheit die schwierigste Aufgabe im Design ist. Und warum Produkte mit Menschen wachsen sollten, nicht umgekehrt.

Ein modulares Küchensystem ist mehr als eine Produktlösung. Es ist eine Haltung zum Design. Genau das hat die Jury des German Design Award überzeugt: Termino wurde in der Kategorie Excellent Product Design – Kitchen als Winner ausgezeichnet. 

Ein Design Nudge im Produktdesign ist ein Gestaltungsprinzip, das Menschen durch Klarheit, Modularität und gute Bedienbarkeit zu langfristiger Nutzung anstößt. 

Küchen sind oft zu statisch für ein Leben, das sich ständig verändert. Wer heute eine Küche plant, trifft oft eine Entscheidung für viele Jahre. Gleichzeitig verändern sich Wohnsituationen, Lebensstile und Bedürfnisse schneller denn je. Für Elson Lin ist genau darin eines der größten Probleme zeitgenössischer Küchengestaltung verborgen. 

Der Gründer von Termino stellt eine einfache Frage: Warum sind Küchen häufig die unbeweglichsten Elemente unserer Wohnungen, obwohl unser Leben immer flexibler wird?

Design beginnt nicht mit Form

Gutes Design beginnt nicht mit der Form, sondern mit der richtigen Frage. Bevor Elson Lin Termino gründete, beschäftigte er sich intensiv mit Produktentwicklung und den Herausforderungen moderner Konsumgüter. Seine Motivation war von Anfang an klar: reale Probleme lösen, für Nutzer*innen ebenso wie für die Industrie.

„Viele Produkte werden heute für eine bestimmte Zielgruppe, einen bestimmten Stil oder einen bestimmten Moment entwickelt. Mich hat interessiert, wie man etwas schaffen kann, das sich über viele Jahre an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen kann."

Aus dieser Überlegung entstand die Idee eines modularen Systems. Statt Küchen als fest installierte Objekte zu betrachten, versteht Termino sie als flexible Infrastruktur. Die einzelnen Module lassen sich kombinieren, erweitern oder an neue Bedürfnisse anpassen.

Warum Einfachheit so schwierig ist

Einfachheit ist kein gestalterischer Ausgangspunkt. Sie ist das Ergebnis eines intensiven Entwicklungsprozesses. Spricht man mit Elson Lin über Design, fällt folgender Satz immer wieder: „Good design should be simple and easy." 

Was selbstverständlich klingt, ist für ihn eine der größten Herausforderungen im gesamten Entwicklungsprozess: „Das Einfachste ist manchmal am schwierigsten umzusetzen.“ 

Die reduzierte Formensprache von Termino entstand nicht durch Vereinfachung, sondern durch intensive Auseinandersetzung mit Konstruktion, Material und Produktion. Jedes Detail wurde hinterfragt: Welche Funktionen sind wirklich notwendig? Welche Komponenten können reduziert werden? Wie lässt sich ein Produkt entwickeln, das langlebig und gleichzeitig flexibel bleibt? 

Für Lin reicht es nicht aus, nur aus gestalterischer Perspektive zu denken. Designer*innen müssten sich stärker mit technischen Zusammenhängen beschäftigen: „Man sollte Materialien wirklich verstehen. Welche Eigenschaften haben sie? Wo liegen ihre Grenzen? Und wie können sie optimal eingesetzt werden?"

Gegen die Kurzlebigkeit von Trends

Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Recycling – sie beginnt beim Entwurf. Für Elson Lin ist die Kritik an einer immer schnelleren Trendkultur deshalb kein ästhetisches Urteil, sondern eine grundsätzliche Designhaltung: „Designer*innen sollten Trends nicht zu stark folgen.“  

Lin beobachtet, dass Trends heute in immer kürzeren Zyklen entstehen. Farben wechseln. Materialien wechseln. Stile wechseln. Produkte werden oft ersetzt, lange bevor sie ihre Funktion verloren haben. 

„Trends wechseln saisonal und über die Jahre hinweg. Auch Materialien ändern sich ständig. Deshalb wird Menschen schnell langweilig."

Stattdessen plädiert er für Produkte, deren Gestaltung langfristig Bestand hat. Materialien sollen für sich selbst sprechen. Das Design soll nicht durch kurzfristige Effekte überzeugen, sondern durch Klarheit und Dauerhaftigkeit. Denn wenn Menschen ein Produkt über viele Jahre behalten möchten, dann ist das vielleicht die nachhaltigste Form von Design.

 

Produkte sollten sich an Menschen anpassen

Gutes Design legt sich nicht auf eine Zielgruppe fest. Es bleibt offen. Viele Produkte werden für ganz bestimmte Nutzungsszenarien entwickelt. Termino verfolgt einen anderen Ansatz. 

„Menschen möchten Produkte gern in Kategorien einordnen." – Für Lin liegt die Stärke guten Designs gerade darin, sich nicht auf einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Zielgruppe festzulegen. Produkte sollten unterschiedlichste Räume, Wohnformen und Lebensphasen begleiten können. 

„Gutes Design muss neutral sein." Neutralität bedeutet dabei keine Beliebigkeit. Es geht darum, Produkte so offen zu gestalten, dass sie sich an verschiedene Kontexte anpassen können, ohne ihre Funktionalität oder Identität zu verlieren.

Design ist Teamarbeit

Gutes Design entsteht nicht am Schreibtisch einer einzelnen Person, es entsteht im Zusammenspiel vieler Beteiligter. Besonders auffällig ist, wie oft Lin über Lieferketten, Produktion und Logistik spricht, statt über Ästhetik allein. Ein gutes Produkt braucht gute Beziehungen zu allen Partnern entlang der Lieferkette. 

Für ihn entsteht gutes Design im Zusammenspiel von Designer*innen, Ingenieur*innen, Hersteller*innen und Logistik-Partner*innen. Diese Perspektive spiegelt sich auch im Termino-System wider. Die verwendeten Materialien – recyceltes Aluminium, Edelstahl und europäische Eiche – wurden nicht nur aufgrund ihrer Optik ausgewählt, sondern aufgrund ihrer Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Materialqualität.

Zeigt euer Projekt, wie Design langfristigen Wert schaffen kann?

Termino zeigt, dass nachhaltiges Design weit über die Wahl der richtigen Materialien hinausgeht. Es beginnt mit der Frage, wie Produkte genutzt, gepflegt und über viele Jahre weiterentwickelt werden können. Gute Gestaltung schafft nicht nur Lösungen für den Moment. Sie denkt an das Morgen mit. 

Genau solche Projekte macht der German Design Award sichtbar. Ausgezeichnet werden Arbeiten, die Innovation mit Verantwortung verbinden, neue Perspektiven eröffnen und zeigen, wie Design auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren kann.

Wenn auch euer Projekt neue Antworten auf Fragen von Nachhaltigkeit, Nutzungsorientierung oder Produktentwicklung gibt, ist jetzt der richtige Moment: Registriert euch für den German Design Award 2027, präsentiert eure Arbeit einer internationalen Jury und werdet Teil eines globalen Netzwerks exzellenter Gestaltung.

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