Design Nudges
Product Design

Timo Rieke: Was Designer*innen über Farbe missverstehen

Mit der RAL Trendbox 2025+ wurde ein Projekt beim German Design Award mit Gold ausgezeichnet, das Farbe nicht als dekorativen Abschluss, sondern als Teil des Designprozesses versteht. Prof. Timo Rieke erklärt, warum gute Farbgestaltung vor der Farbwahl beginnt und Farbe im Zusammenspiel mit Material, Kontext und Wahrnehmung gedacht wird.

Ein Design Nudge im Produktdesign ist eine Gestaltung, die Menschen durch klare Entscheidungen im Prozess zu langlebigen, stimmigen Ergebnissen führt. Im Umgang mit Farbe bedeutet das: Farbgestaltung beginnt früh und wird gemeinsam mit Material, Oberfläche, Licht und Nutzung entwickelt. 

Die RAL Trendbox 2025+ macht diesen Ansatz erfahrbar. Sie zeigt die 15 Trendfarben von RAL COLOUR FEELING 2025+ nicht als isolierte Muster, sondern auf fünf Materialien. Von Kunststoff über pulverbeschichtetes Metall bis hin zu Textilien und Teppich wird sichtbar, wie stark Oberfläche und Material die Wirkung einer Farbe verändern. 

Prof. Timo Rieke prägt diese Perspektive wissenschaftlich mit. Er arbeitet als Farbdesigner und Farbforscher und lehrt Farbdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Kunst Hildesheim. Er sagt: „Farbe hat eine Wirkungsmacht.“ 

Rieke erklärt, dass Farbe häufig missverstanden wird. „Farbe ist natürlich etwas, was für uns konstitutiv ist für unsere Wahrnehmung überhaupt.“ Ein einfaches Experiment zeigt das sofort. Wer den eigenen Instagram-Feed auf Schwarzweiß stellt, merkt, wie stark Farbe Orientierung und Atmosphäre prägt.

Warum die Trendbox mehr zeigt als Farben

Die zentrale Erkenntnis ist: Dieselbe Farbe verändert ihren Charakter je nach Material, Oberfläche und Licht. Genau deshalb funktioniert Farbe nicht als nachträglicher Rettungsanker. 

Rieke sagt: „Designer sollten vor allem nicht glauben, dass sie mit einer Farbe noch was retten können.“ Er beobachtet, dass Farbentscheidungen oft erst getroffen werden, wenn Form, Material und Konstruktion bereits feststehen. Für ihn läuft ein belastbarer Prozess anders: Farbe gehört an den Anfang, gemeinsam mit Funktion und Nutzung. 

Die RAL Trendbox 2025+ übersetzt diese Logik in ein Arbeitswerkzeug. Sie zeigt Farben dort, wo sie später wirken. Damit wird Farbwirkung vergleichbar, diskutierbar und im Materialkontext überprüfbar.

„Designer sollten vor allem nicht glauben, dass sie mit einer Farbe noch was retten können.“

Gegen einfache Farbregeln

Farbpsychologie liefert oft einfache Formeln. Blau schafft Vertrauen, Grün beruhigt, Rot aktiviert… Für Rieke greifen solche Regeln zu kurz. 

Er sagt: „Sie sind höchstens ein Anfang, aber keine Lösung des Problems der Farbe.“ Ob eine Farbe beruhigt oder aktiviert, hängt nie nur vom Farbton ab. Material, Licht, räumlicher Kontext, kulturelle Prägung und Nutzung prägen die Wirkung. 

Die Trendbox lädt deshalb nicht zum Nachahmen von Trends ein. Sie unterstützt Designer*innen dabei, Farbwirkungen im jeweiligen Kontext zu untersuchen, zu vergleichen und weiterzuentwickeln.

Farbe entsteht im Kontext

Eine Farbe ist erst im Material und im Raum verlässlich beurteilbar. Das ist der Kern, den Rieke immer wieder betont. 

„Wir müssen am Ende auch immer in der Situation gucken, wie eine Farbe funktioniert.“ Für ihn gehört Testen selbstverständlich zum Entwurfsprozess. Gute Farbgestaltung entsteht durch Beobachtung, Iteration und Erfahrung. 

Die Trendbox zeigt, dass Farbe auf Metall anders wirkt als auf Textilien oder Kunststoffen. Dadurch werden Entscheidungen belastbar. Farbe wird vom dekorativen Abschluss zum strategischen Werkzeug.

„Wir müssen am Ende auch immer in der Situation gucken, wie eine Farbe funktioniert.“

Gold für eine neue Perspektive auf Farbe  

Mit Gold würdigte die Jury der German Design Awards einen Forschungs- und Gestaltungsansatz, der Farbe als Teil eines ganzheitlichen Designprozesses versteht. Ausgezeichnet ist nicht nur eine Materialbox, sondern ein Werkzeug, das Wahrnehmung, Materialkompetenz und Gestaltung zusammenführt.   

Rieke sagt: „Schön sind Produkte, die von vornherein Material und Oberfläche mitdenken.“ Die RAL Trendbox 2025+ macht diese Haltung praktisch. Sie zeigt, dass zukunftsorientierte Gestaltung im Zusammenspiel von Farbe, Material und Oberfläche beginnt.

Wie früh spielt Farbe in eurem Gestaltungsprozess eine Rolle?

Der German Design Award zeichnet Projekte aus, die Gestaltung ganzheitlich denken und neue Perspektiven auf Material, Funktion und Nutzererlebnis eröffnen. Die RAL Trendbox 2025+ zeigt, wie Forschung, Materialkompetenz und Design zusammenwirken können, um Prozesse nachhaltig zu verändern. 

Wenn auch ihr mit eurem Projekt neue Antworten auf die Herausforderungen von Gestaltung entwickelt, ist jetzt der richtige Moment: Registriert euch zum German Design Award 2027, präsentiert eure Arbeit einer internationalen Jury und werdet Teil eines globalen Netzwerks exzellenter Gestaltung.

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