German Design Award 2027

Jurysitzung im Oktober: Was macht Design heute exzellent?

43 internationale Jurymitglieder bewerten rund 3.100 Einreichungen aus 50 Ländern. Ihre Perspektiven zeigen, warum herausragendes Design weit mehr ist als ästhetische Qualität – und welche Maßstäbe in Zeiten von KI, gesellschaftlichem Wandel und Ressourcenknappheit entscheidend werden.

Was unterscheidet gutes Design von einer herausragenden gestalterischen Leistung? Bei der Jurysitzung des German Design Award 2027 Anfang Oktober in Offenbach stellten sich 43 Expert*innen aus 15 Ländern dieser Frage. Ihr Auftrag: In 68 Kategorien jene Projekte identifizieren, die durch konzeptionelle Stärke, gestalterische Qualität und relevante Wirkung überzeugen – und die außergewöhnlichsten Leistungen mit Gold auszeichnen.

Die internationale Beteiligung zeigt interessante Verschiebungen

Während Deutschland und China weiterhin zu den stärksten Einreichungsländern zählen, gewinnen insbesondere die Türkei und Singapur an Bedeutung. Die Türkei verzeichnet gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Zuwachs, Singapur konnte seine Beteiligung sogar mehr als verdoppeln. Auch Italien legt zu. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Präsenz unterschiedlicher Designstandorte im internationalen Wettbewerb.

Mit rund 1.600 Einreichungen bildet Excellent Product Design die größte Disziplin, gefolgt von Excellent Architecture und Excellent Communications Design.

Exzellenz beginnt mit einer klaren Haltung

Die Anforderungen an Design verändern sich. Künstliche Intelligenz beschleunigt kreative Prozesse, während gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen neue Antworten verlangen. Doch visuell überzeugende Ergebnisse allein garantieren keine Qualität. Makiko Tsumura, Präsidentin der World Design Organization und Direktorin des Japan Institute of Design, sieht einen Wandel von Design als Disziplin des Gestaltens hin zu einer Disziplin des Entscheidens. Urteilsvermögen, Intention und Verantwortung gewinnen an Bedeutung. Auch Andreas Diefenbach, Managing Partner bei Phoenix Design, stellt die konzeptionelle Klarheit in den Mittelpunkt:

„Eine Einreichung hebt sich für mich nicht dadurch ab, dass sie am lautesten ist, sondern dass sie am klarsten ist.“

Die Vielfalt der Einreichungen unterstreicht dieses Verständnis. Während klassische Felder wie öffentliche Architektur und Markenidentität stark vertreten sind, zeigen Kategorien rund um künstliche Intelligenz, Service Design und Circular Design, wie weit sich das Aufgabenfeld von Design inzwischen erstreckt.

Der Wert von Design zeigt sich in seiner Wirkung

Design wird zunehmend als strategische Disziplin verstanden. Marco Kisch, Senior Product & Service Designer bei ING Deutschland, beschreibt es als Wettbewerbsvorteil, der menschliche Bedürfnisse, technologische Möglichkeiten und wirtschaftliche Ziele verbindet.

Sayali Bharambe, Design Lead Engagement bei Deutsche Telekom, betont die oft unsichtbaren Qualitäten: Zugänglichkeit, Verständlichkeit, Vertrauen und langfristige Nutzbarkeit. Julia Pültz, Global Marketing Manager bei Vestre, richtet den Blick auf Materialität, Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit. Evan Jerry, Gründer von Studio Anansi, ergänzt die emotionale Dimension von Objekten, die Menschen über Jahre begleiten.

Besonders deutlich wird die Verbindung von Gestaltung und Verantwortung beim Circular Design

257 Einreichungen entfallen disziplinübergreifend auf dieses Feld, davon 171 im Produktdesign. Für Dr. Manuel Bickel vom Wuppertal Institut reicht Recyclingfähigkeit allein nicht aus.

Ressourcenschonung verlangt systemisches Denken – bis hin zur Frage, wie sich Verbrauch grundsätzlich vermeiden lässt. Auch William Wu, Vice President Design der Haier Group, betont das Zusammenspiel von Nutzerwert, wirtschaftlichem Nutzen und ökologischer Verantwortung.

Unterschiedliche Perspektiven. Ein fundiertes Urteil.

Die Bewertung der Einreichungen innerhalb von zwei Tagen verlangt eine intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen gestalterischen Ansätzen. Zwischen Architektur, Produktdesign und Kommunikationsdesign treffen verschiedene Qualitätsvorstellungen aufeinander. Fragen nach Originalität, Funktion, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Relevanz erfordern fachliche Abwägung und Diskussion.

Die Aufgabe der internationalen Jury besteht nicht darin, einen gemeinsamen Geschmack zu finden, sondern Qualität zu hinterfragen, Argumente gegeneinander abzuwägen und außergewöhnliche Leistungen zu erkennen. Gerade die Vielfalt kultureller und disziplinärer Perspektiven ist dabei entscheidend. 


Seit 2012 zeichnet der German Design Award herausragende gestalterische Leistungen aus. Mit Gold würdigt er Projekte, die durch Eigenständigkeit, Konsequenz und Relevanz besonders hervorstechen. 

Die Preisträger*innen des German Design Award 2027 werden am 29. Januar 2027 in Frankfurt am Main gefeiert.

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