Newcomer Finalist 2019, Gabriel Müller


Gabriel Müller (*1989) erlangte 2017 den Master-Abschluss Medical Design an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
Seine thematischen Schwerpunkte umfassen die Bereiche Gesundheit, öffentliches Transportwesen und Nachhaltigkeit. Seine Methodik ist von den Ansprüchen des Human Centered Design geprägt.
Er hat bereits verschiedene medizinische Geräte entwickelt, wie ein Diagnosegerät für das Messen von Blutflüssen unterhalb der Schädeldecke oder einen zentralen Venenkatheter für Noteinsätze.
Müller arbeitet ab 01. November 2018 als Industriedesigner bei neomind design studio in München.

 


 

Ein paar Fragen hätten wir an Gabriel Müller:

 

Sie sind Newcomer-Finalist beim German Design Award 2019. Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie und Ihre Arbeit?

Ich freue mich sehr über die Auszeichnung, gerade weil die Jury das gesamte Portfolio der Nominierten betrachtet und nicht ausschließlich eine spezifische Arbeit. Sie zeigt mir, dass meine bisherige gestalterische Auseinandersetzung eine gewisse Relevanz hat und motiviert mich, in diesem Bereich weiterzuarbeiten.


Sie sagen, was Sie an Design fasziniert, ist das Erforschen und Verstehen von menschlichen Erlebnissen, Wünschen und Bedürfnissen. Können Sie kurz konkretisieren, was Sie darunter verstehen?

In meiner Arbeit gestalte ich Produkte, Anwendungen oder Erlebnisse. Dabei ist der Mensch immer Start und Ziel meines gestalterischen Vorhabens. So möchte ich verstehen, ob, wie und warum Menschen Dinge benutzen und was sie dabei als gut oder als verbesserungswürdig erachten. Daher ist eine ethnographische Designrecherche meist Ausgangspunkt meines Designprozesses. Mithilfe der gewonnen Erkenntnisse frage ich im nächsten Schritt: Was ist ein wünschenswertes Szenario für die Zukunft? In der Entwurfsarbeit spielen diese Leitlinien dann eine große Rolle.


In Ihrem Portfolio zeigen Sie verschiedene Projekte. Welches liegt Ihnen besonders am Herzen und warum?

Es ist schwer, ein Projekt besonders hervorzuheben. Dennoch vereint das Projekt Zentraler Venenkatheter für Notfälle viele Aspekte, die mich antreiben, im Design zu arbeiten: Identifikation eines Potenzials, das einen Mehrwert bieten kann, ein sowohl analytisch als auch intuitiv-kreativer Designprozess und ein Ergebnis, das neue Materialien und Technologien sinnvoll verbindet und auf die Bedürfnisse der Nutzer eingeht.


Was macht für Sie gutes Design im 21. Jahrhundert aus?

Wir leben zunehmend vernetzter, die Überbrückung von Zeit und Raum wird immer einfacher. Ich denke, dass die Designer der Zukunft eine hohe interkulturelle Kompetenz benötigen, um gute Lösungen für viele Menschen schaffen zu können. Zudem ist ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Anwendung immer nur Teil eines größeren Kontextes, den es zu beachten und mitzugestalten gilt. Dazu gehören auch soziale und ökologische Fragen, die an Bedeutung gewinnen. Es ist wichtig, als Designer hierzu eine Haltung einzunehmen, denn mit unserer Arbeit entwerfen wir auch ein Menschenbild und kommunizieren eine mögliche Vision der Zukunft: Welche Art von Gesellschaft wünschen wir uns und wie schlägt sich dies in unseren Entwürfen nieder? Design ist somit auch immer ein wenig politisch.