Patrick Speck: Design beginnt dort, wo Erinnerungen entstehen

Eine Installation braucht keine Anleitung
Jedes Jahr konkurrieren auf der Milan Design Week hunderte Marken um Aufmerksamkeit. Spektakuläre Installationen, große Gesten und immer neue Inszenierungen prägen das Stadtbild. Mit GROHE SPA Aquatecture entschied sich GROHE bewusst für einen anderen Weg. Die Installation im historischen Innenhof des Palazzo Reale stellte nicht Produkte in den Mittelpunkt, sondern ein Gefühl. Besucherinnen und Besucher betraten den Innenhof durch einen kreisförmigen Eingang und wechselten beinahe unmerklich von der Hektik rund um den Dom in eine ruhige, entschleunigte Welt aus Wasser, Materialität und Architektur.
Für Patrick Speck war genau dieser Moment das eigentliche Ziel:
„Wenn wir über unvergessliche Erlebnisse sprechen, möchten wir vor allem eines schaffen – eine emotionale Verbindung.“
Denn genau darin unterscheidet sich eine gelungene Markeninszenierung von einer schönen Kulisse. „Wenn etwas nicht bei dir hängen bleibt, vergisst du es.“
Das Besondere an GROHE SPA Aquatecture war nicht ihre Form, sondern ihre Offenheit. Niemand erklärte den Besucherinnen und Besuchern, welchen Weg sie gehen sollten oder wie sie den Raum erleben mussten. Stattdessen entstand das Erlebnis ganz selbstverständlich. Menschen berührten das Wasser. Sie entdeckten die Produkte. Sie setzten sich gemeinsam auf den zentralen Platz der Installation – fast so selbstverständlich wie auf einer italienischen Piazza. „Wir mussten den Menschen nicht erklären, was sie tun sollten. Sie haben es ganz natürlich gemacht.“ Gerade diese Natürlichkeit beschreibt Speck als Ausdruck guten Designs.
Authentizität lässt sich nicht gestalten
Ein weiterer Grund für den Erfolg der Installation liegt für Speck in ihrer Konsequenz. Die Architektur erzählte dieselbe Geschichte wie die Produkte. Materialien, Wasser, Licht und Atmosphäre folgten einer gemeinsamen Idee. „Wenn wir bei unseren Werten oder ihrer Darstellung nicht ehrlich sind, spüren Menschen sofort eine Distanz.“ Authentizität entsteht deshalb nicht durch Storytelling. Sie entsteht dann, wenn Marke, Raum und Erlebnis dieselbe Sprache sprechen. Heute auch oft erwähnt als Storyliving. Auch deshalb funktionierte GROHE SPA Aquatecture nicht wie eine temporäre Messeinstallation. Sie fühlte sich selbstverständlich an.
Für Speck verändert sich derzeit grundsätzlich, welche Rolle Markenräume übernehmen. Früher dominierten klassische Showrooms. Heute suchen Menschen Orte, an denen sie erleben, entdecken und miteinander ins Gespräch kommen können. Diese Entwicklung setzt GROHE inzwischen konsequent fort – etwa mit dem LIXIL Water Experience Center in New York. Dort stehen Produkte zwar weiterhin im Raum. Im Mittelpunkt stehen jedoch Begegnungen. „Es geht nicht mehr um einen klassischen Showroom.“ Vielmehr schaffen Marken die Voraussetzungen dafür, dass Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen können.
„Wir schaffen die richtigen Bedingungen, anstatt ein bestimmtes Gefühl vorzuschreiben.“
Die Rückkehr des echten Erlebnisses
Auch das Verhältnis zwischen digitalen und physischen Erfahrungen bewertet Speck neu. Digitale Technologien bleiben wichtig. Ihre Aufgabe besteht jedoch nicht darin, reale Erlebnisse zu ersetzen. „Das Digitale sollte das Physische ergänzen – nicht ersetzen.“ Gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre beobachtet er eine deutliche Rückbesinnung auf persönliche Begegnungen.
„Die persönliche Verbindung, der direkte Austausch von Mensch zu Mensch – genau dorthin entwickelt sich Markenkommunikation.“
In Zeiten permanenter Aufmerksamkeit sei die Versuchung groß, möglichst schnell möglichst viel Wirkung erzielen zu wollen. Er hält das für den falschen Maßstab.
„Ich würde Designer ermutigen, sich auf langfristigen Wert statt auf kurzfristige Wirkung zu konzentrieren.“
Er vergleicht diesen Ansatz mit einem One-Hit-Wonder der Musikindustrie. Kurzfristige Aufmerksamkeit könne zwar erfolgreich sein. Wirklich relevante Gestaltung überrasche Menschen jedoch noch Jahre später. „Die erfolgreichsten Designs und Erlebnisse sind diejenigen, die dich immer wieder erfüllen und überraschen.“
Deshalb beginne jede gute Gestaltung mit einer grundsätzlichen Frage. Braucht die Gesellschaft dieses Produkt überhaupt? Löst es ein echtes Problem? Oder produziert es lediglich noch mehr Dinge? Gute Gestaltung entsteht genau dort, wo Überflüssiges verschwindet. „Streicht das Überflüssige und konzentriert euch auf die Bedeutung der Dinge.“


Welche Erinnerung soll euer Design hinterlassen?
Der German Design Award zeichnet Projekte aus, die Gestaltung ganzheitlich denken und zeigen, wie Design emotionale Verbindungen schaffen kann. GROHE SPA Aquatecture demonstriert eindrucksvoll, dass die stärksten Markenräume nicht die lautesten sind – sondern jene, die Menschen mit einem Gefühl verlassen.
Wenn auch ihr mit eurem Projekt neue Antworten auf die Herausforderungen unserer Zeit entwickelt, freuen wir uns auf eure Einreichung zum German Design Award 2027.
Nutzt die Chance, eure Arbeit einer internationalen Jury zu präsentieren und Teil eines globalen Netzwerks exzellenter Gestaltung zu werden.




